Ertragswertorientierte Unternehmensbewertung zahlt sich beim Unternehmensverkauf aus

Ertragswertorientierte Unternehmensbewertung gibt Hinweis auf Marktwert

Der Unternehmenswert ist bei jedem Firmenverkauf oder bei der Unternehmensnachfolge ein wichtiges Thema. Dieser ist beispielsweise für die Ermittlung des Geschäftsanteils in der Erbmasse, für Steuerberechnung bzw. für die Vorbereitung eines Unternehmensverkaufes zwingend notwendig. In einem Artikel für die deutsche Unternehmerbörse beleuchtet Ingo Claus, Partner von K.E.R.N – Die Nachfolgespezialisten Osnabrück fünf wesentliche Vorteile einer gut vorbereiteten Unternehmensbewertung.

5 Argumente für eine ertragswertorientierte Unternehmensbewertung

1.    Der Unternehmenswert ist ungleich dem Kaufpreis

Was ist Ihr Unternehmen wert? – Nur wenige Unternehmer antworten hier mit einer konkreten Summe, die meist einer Verkaufspreiserwartung entspricht. Die meisten – oft gestandenen Firmeninhaber – werden bei der Beantwortung dieser Frage unsicher. In unserer täglichen Beratungspraxis hören wir oft: „Die Summe aller Vermögensgegenstände plus Betrag X.“

Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass für die meisten Firmenkäufer einzig und allein der zukünftige, übertragbare Ertragswert den Wert einer Firma bestimmt. Der Kaufpreis selbst stellt in den wenigsten Fällen den realen Firmenwert dar, sondern reflektiert den Wert, den ein Käufer im Moment des Eigentumsübergangs zahlen will.

2.    Multiplikatorverfahren ergänzt Ertragswertverfahren

Erstaunlich oft setzt der familiengeführte Mittelstand auf die sogenannten Multiplikatoren bei der Unternehmenswertermittlung. Hierbei leitet sich der Unternehmenswert aus Preisen, die im Rahmen von Transaktionen vergleichbarer Unternehmen einer Branche gezahlt ab 50 Millionen Euro Umsatz gezahlt wurden ab. Das Verfahren unterstellt somit, dass sich aus beobachtbaren Marktpreisen vergleichbarer Unternehmen Rückschlüsse auf den Wert des betreffenden Unternehmens ziehen lassen.

Diese Bewertungsmethode hilft bei einer ersten Einschätzung, ist aber nicht mit einer individuell erstellten Unternehmensbewertung vergleichbar: Denn das Multiplikatorverfahren wird oftmals bei der Bewertung deutlich größeren und transparenterer Unternehmen eingesetzt und berücksichtigt den Unternehmenswert beeinflussende Umfeldveränderungen, Sonder- und Einmaleffekte und Erwartungshaltungen zumeist nicht.

Diese Bewertungsmethode hilft bei einer ersten Einschätzung, ist aber nicht mit einer individuell erstellten Unternehmensbewertung vergleichbar: Denn das Multiplikatorverfahren wird oftmals bei der Bewertung deutlich größeren und transparenterer Unternehmen eingesetzt und berücksichtigt den Unternehmenswert beeinflussende Umfeldveränderungen, Sonder- und Einmaleffekte und Erwartungshaltungen zumeist nicht.

Der Multiplikatoransatz ist eher eine ergänzende Methode, um Anhaltspunkte für den Wert eines Unternehmens zu erhalten bzw. um Unternehmenswerte auf Basis von ertragswertorientierten Verfahren zu plausibilisieren. Im Einzelfall müssen geeignete Multiplikatoren sorgfältig ausgewählt werden, um die unternehmensspezifischen Unterschiede, wie z.B. unterschiedliche Rentabilitäten oder Finanzierungsstrukturen, möglichst vollständig zu erfassen. Eine stringente Durchführung des Multiplikatoransatzes erfordert folglich eine sehr intensive Auseinandersetzung mit dem Bewertungsobjekt, den Vergleichsunternehmen und der Branche.

3.    Eine gute Unternehmensbewertung beantwortet Fragen der Erwerber vorab

Eine gut vorbereitete Unternehmensbewertung bereitet hingegen die Verhandlungsposition des Unternehmers vor und beantwortet mögliche Fragen potentieller Erwerber vorab. Damit kennt ein Veräußerer den aktuellen Ertragswert seiner Firma und die wesentlichen aktuellen Einflussfaktoren auf die Unternehmensentwicklung im Detail und ist somit ideal auf Verhandlungen vorbereitet. Gleichzeitig bereitet er eine gute Basis für die nachfolgende Due Diligence oder Finanzierungsgespräche des Erwerbers.

In der Praxis haben sich mit dem Ertragswertverfahren nach dem Standard IDW S 1 und der Discounted-Cash-Flow-Berechnung (DCF-Verfahren) zwei Methoden zur Ermittlung des Unternehmenswertes etabliert. Das Ertragswertverfahren wird insbesondere im deutschsprachigen Raum angewandt und ist ebenso wie das DCF-Verfahren von den Behörden akzeptiert. Das DCF-Verfahren hingegen ist ein international akzeptierter Standard.

4.    Realistische Zukunftsplanungen geben Argumentationshilfen

Beiden Verfahren ist gleich, das bei der Bestimmung des Unternehmenswertes die Ergebnisse der vergangenen drei Jahre um Einmal- und Sondereffekte bzw. Steuersparmodelle bereinigt und anschließend um eine möglichst plausible Zukunftseinschätzung ergänzt werden. Der Bewertungsspezialist Ralf Harrie weist darauf hin, dass insbesondere die Zukunftsprognose konservativ sein sollte: „Sprunghaft steigende Umsätze oder rasant sinkende Kosten müssen nachvollziehbar begründet werden.“

Er ergänzt darüber hinaus, dass die Ergebnisse nicht zuletzt von einer möglichst objektivierten Einschätzung der zukünftigen Überschüsse des Unternehmens und einer realistischen Risikoabschätzung abhängen: „Für den Großteil der Familienunternehmen empfiehlt sich eine individuell erarbeitete Risikoeinschätzung statt der Anwendung der niedrigeren Risikomultiplikatoren börsennotierter Unternehmen.“

5.    Fundierte Unternehmensbewertung verringert finanzielle Belastung von Nachfolgern

Im Rahmen einer Unternehmensbewertung wird der Unternehmer quasi gezwungen, sich sehr intensiv mit der zukünftigen Entwicklung seines Unternehmens auseinanderzusetzen. Bei der Vorbereitung einer Unternehmensbewertung ist die Hinzuziehung spezialisierter Berater anzuraten. Denn über die kritische Auseinandersetzung mit den gemachten Angaben stellen die externen Spezialisten sicher, dass aus einer Unternehmensbewertung eine am Markt durchsetzbare Kaufpreiserwartung ableitbar ist. Gleichzeitig lässt sich mit einer fundierten Unternehmensbewertung ein Firmenverkauf optimal vorbereiten.

Ferner akzeptiert das Finanzamt ein schlüssiges Wertgutachten i.d.R. als Alternative zum im §199 des Bewertungsgesetz (BewG) definierten Verfahren. In der Folge führt dies oft zu einer geringeren Steuerbelastung bzw. geringeren Abfindungssummen gegenüber Miterben und somit zu einer geringeren finanziellen Belastung der zu übergebenden Unternehmen.

Über Ingo Claus:

Ingo Claus ist Partner von K.E.R.N – Die Nachfolgespezialisten in Osnabrück, Münster sowie im Emsland und Spezialist für Unternehmensverkauf oder Unternehmenskauf im Mittelstand.

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