Unternehmensnachfolge aus Übernehmersicht

Die Zahl der Manager, die sich nach erfolgreicher Angestelltenkarriere noch einmal unternehmerisch verwirklichen wollen, steigt kontinuierlich. Diese Entwicklung geht einher mit der nachlassenden Bereitschaft nachfolgender Generationen in das elterliche Unternehmen einzutreten. 

Die Kinder haben am eigenen Leib gespürt, mit welchen familiären Einschränkungen und Opfern die Gründerjahre oft verbunden sind. Und die Optionen am Arbeitsmarkt sind vielfältig, der Unternehmermangel entwickelt sich parallel mit dem Fachkräftemangel.

Eine gewichtige Frage ist die „Make-or-Buy“ Entscheidung des (Fremd-)Managers. Dabei ist sein Blick auf die Unternehmensnachfolge aus Übernehmersicht naturgemäß ein anderer als der des abgebenden Seniorunternehmers.

Ein wesentlicher Vorteil für den Unternehmenskäufer ist zumeist, dass er auf im Regelfall auf gefestigte Strukturen trifft. Das Geschäftsmodell ist erprobt, Kunden und Cash-Flows sind vorhanden. Der Unternehmenskäufer erspart sich die mühselige Kärrnerarbeit und das Risiko einer Unternehmensgründung. Er kann bereits im Vorfeld der Übernahme eine Abschätzung vornehmen, inwieweit seine unternehmerischen Talente einen „Fit“ darstellen, um das Objekt seiner Begierde nach der Übernahme erfolgreich weiter zu entwickeln.

Unternehmenskauf oder Firmengründung?

Bei einer Übernahme kennt der Erwerber seinen finanziellen Einsatz, und die Unternehmensplanung ist im Vergleich zu einer Gründung auf der grünen Wiese berechenbarer. Zusätzlich sind die finanziellen Risiken überschaubarer als bei einer Gründung, die sich durchaus einmal als Fass ohne Boden entpuppen kann. Aus eben diesem Grund tun sich Banken bei der Übernahmefinanzierung eines etablierten Unternehmens üblicherweise leichter als bei einer Gründungsfinanzierung.

Soweit, so gut. Worauf also sollen Übernahmekandidaten warten, wenn sich die Rahmenbedingungen so günstig darstellen? Wo sind Stolperstellen bei der Realisierung des unternehmerischen Traums?

Emotionale Faktoren beachten

Da ist zunächst der Firmeninhaber, der sich von seinem Lebenswerk trennt. Der Generationswechsel ist für ihn eine höchst emotionale Entscheidung mit weitreichenden persönlichen Konsequenzen. Für einen Erwerber gilt es herauszufinden, ob der Unternehmer tatsächlich willens und bereit ist, loszulassen und wie er sich diesen Prozess vorstellt. Soll die Verantwortung peu à peu übergehen oder mit dem Verkauf ein radikaler Schnitt gesetzt werden? Entspricht dies den Wünschen und Vorstellungen des Übernehmers?

Insgesamt gilt: vieles ist machbar! Die Übernahmemodalitäten können auf die Bedürfnisse von Übergeber und Übernehmer flexibel zugeschnitten werden. Ingo Claus, Experte für Unternehmensnachfolgen bei K.E.R.N – Die Nachfolgespezialisten, hierzu: „Wir sehen Nachfolgelösungen, bei denen der Seniorunternehmer mit Unterschrift des Kaufvertrages einen Schlussstrich und sich völlig aus dem Unternehmen zurück zieht. Dies ist jedoch die Ausnahme. Im Regelfall sehen wir einen stufenweisen Ausstieg des Altgesellschafters. Das kann bedeuten, dass dieser dem Unternehmen als Berater oder in einer Beiratsfunktion erhalten bleibt und der Übernehmer so von dessen Know-how profitiert. Am anderen Ende der Skala ist eine sukzessive Übergabe der Geschäftsanteile vorstellbar. Dies kann so weit gehen, dass der Übernahmekandidat zunächst als (Interim) Geschäftsführer ohne Anteile in das Unternehmen eintritt, um die eigene Eignung auszuloten. Getreu dem Motto: drum prüfe, wer sich ewig bindet“.

Der „Nasenfaktor“ zwischen Übergeber und Übernehmer spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Hier braucht es erhebliches Fingerspitzengefühl im Umgang zwischen den Parteien. Ein lapidares „Klasse Laden“ wird vom Übergeber nicht zwangsweise als die wertschätzende Botschaft verstanden, die der Übernahmekandidat senden wollte. Generell gilt, je größer das Einvernehmen zwischen den Parteien, desto eher wird der Übergeber zu Zugeständnissen aller Art bereit sein. Als Ritterschlag für den Übernehmer gilt, wenn sich der Altgesellschafter mit einem Verkäuferdarlehen an der Übernahmefinanzierung beteiligt.

Gute Planung des Generationswechsels erhöht Erfolgswahrscheinlichkeit

Unabhängig vom Einzelfall empfiehlt sich immer die sorgfältige Planung der Übernahme. Neben dem Ausloten der finanziellen Machbarkeit einer Übernahme ist es für den Erwerber im Verlauf der Unternehmensnachfolge unerlässlich, einen aussagefähigen Businessplan zu erstellen. Diesen benötigt er für sich, um einen Orientierungsrahmen bei Fehlentwicklungen zu haben, und selbstverständlich für die finanzierenden Banken. Der positive Nebeneffekt: Bei der Erstellung des Businessplans ist der Übernehmer gezwungen, sich mit allen Facetten des Unternehmens und seiner daraus abgeleiteten Planung detailliert zu befassen. Damit macht er sich zum kompetenten Gesprächspartner für Übergeber und Finanziers.

Das Beachten dieser Kriterien trägt wesentlich zum Gelingen der Nachfolgeregelung bei, damit Übergeber und Übernehmer am Ende des Tages das große Glück einer gelungenen Übergabe feiern können.

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